“Wie nachhaltig ist Bitcoin ?

Liebe Fridays for Future Unterstützer, Organisatoren, Umweltschützer und Klimaaktivisten,

Das Thema Bitcoin spaltet die Geister und ist häufig mit Vorurteilen behaftet. Eine faktenorientierte Diskussion findet meist nur in einschlägigen Foren statt. In der Öffentlichkeit dominieren vor allem die Kritik am Stromverbrauch des Bitcoin Netzwerkes. Als Fridays for Future Unterstützer und Crypto Enthusiast habe ich mich lange mit diesem scheinbaren Widerspruch beschäftigt.

Inzwischen sehe ich Bitcoin als Riesen Chance für unseren ganzen Planeten und würde mir eine tiefere Auseinandersetzung wünschen. Fridays for Future hat bei allen Fragen zum Klima auch mit Scientists for Future gezeigt, das eine wissenschaftliche verhältnismäßige ganzheitliche Betrachtung wichtig ist. Daher bin ich zuversichtlich, dass die große Mehrheit der Fridays for Future Bewegung in Zukunft auch das Potenzial von Bitcoin erkennen wird.

Im folgenden Artikel habe ich die Kritik am Stromverbrauch der deflationären Kryptowährung etwas genauer untersucht und versucht den Stromverbrauch des Netzwerks in Verhältnis zu seinem Nutzen, für den Planeten zu setzen. 

Ich freue mich über Rückmeldungen und Denkanstöße

Marc Schüßler

Bitcoin Stromverbrauch

Nach Schätzungen des Center for Alternative Finance beläuft sich der Gesamtverbrauch auf 120 Terrawattstunden im Jahr. So wird der Stromverbrauch regelmäßig von Kritikern mit dem Verbrauch ganzer Länder verglichen. (Norwegen, Schweiz, Luxemburg?) Zuletzt ist auch Tesla Chef Elon Musk vorgeworfen worden, nachhaltige Elektro-Autos und Bitcoin widersprächen sich grundsätzlich. Aber ist das wirklich wahr ? Sollte Fridays for Future damit auch Bitcoin kritisieren ? Ein wichtiger Aspekt bei der Nachhaltigkeit von Bitcoin, muss sich unserer Ansicht nach auch auf die Verhältnismäßigkeit des jeweiligen Systems beziehen.

Warum steigt der Stromverbrauch ?

Der Stromverbrauch von Bitcoin steigt mit der Summe an Rechenleistung, die alle Miner zur Verfügung stellen. Diese Rechenleistung benötigt selbstverständlich Strom. Aufgrund der regelmäßig ansteigenden “Difficulty” erhöht sich so der Verbrauch abhängig von Bitcoinpreis, Netzwerkgröße und Effizienz der genutzten Geräte. Das liegt daran, das sich das Bitcoin Netzwerk selbst skaliert und mit zunehmender Rechenleistung (Hashrate) die Schwierigkeit des Minings erhöht, damit im Schnitt (unabhängig der Minningpower) zuverlässig alle 10 Minuten ein Block gefunden wird. Die Blockgröße spielt dabei eine entscheidende Rolle und stellt einen wichtige Komponente des sogenannten Proof of Work Algorithmus dar.

Sicherheit aus Strom

Dieser Sicherheitsaspekt des Proof of Work Algorithmus ist sehr wichtig und bewusst “langsam” gewählt. Andere schnellere Kryptowährungen wie Litecoin mit einer kürzeren Blockzeit, weisen häufiger sogenannte Orphan Blöcke auf (verworfene Blöcke), da nicht alle Miner/ Netzwerk Teilnehmer schnell genug von den neuen Blöcken erfahren. So können ungewollte Spaltungen vorkommen, welche die Sicherheit und vor allem den Konsensus des Netzwerkes erheblich stören oder gar komplett gefährden können (Forks). Des weiteren ist bei kleineren Blockgrößen und damit kürzeren Blockzeiten das Risiko eines Angriffes sehr hoch, da man leichter einen erheblichen Teil der Rechenleistung (Miningpower) stellen könnte.

FIAT Geld & Banken brauchen mehr Strom

Vergleichen wir Bitcoin, als dezentrales Wirtschaftssystem doch mal mit dem allgemeinen Verbrauch seiner direkten Konkurrenten, den Banken. So wird nach offiziellen Angaben ein Verbrauch von ca 650 Terrawattstunden zur Aufrechterhaltung des globalen Banksystems angeführt. Das entspricht mehr als einem Fünffachen des Verbrauchs des Bitcoin Netzwerkes. Des weiteren werden jährlich für das Schürfen von Gold ca 132 Terrawattstunden aufgewendet. Damit ist Bitcoin im Finanzsektor fast so etwas wie das Elektroauto in der Autoindustrie und vergleichsweise effizient.

Führt man sich vor Augen, welche Ausgaben Banken, allein im Bereich Immobilienbau & Beheizung für Filialen ausgeben und welcher Stromverbrauch und CO2 Abdruck damit in Verbindung steht, ist es mehr als unverhältnismäßig Bitcoin anzugreifen.

Ökostrom Mining

Sicher ist Bitcoin von hohem Stromverbrauch geprägt. Ein weiterer wichtiger Aspekt des notwendigen Stroms wird aber ebenfalls meist ausgelassen und wirft nochmal ein neues Licht auf Verhältnismäßigkeit und Nachhaltigkeit des Netzwerkes.

Bereits jetzt nutzt nämlich ein überwiegender Teil der Miner grünen Strom (aktuell ca 76%, wovon 39% echten grünen Öko Strom nutzen und 36% einen Mix aus dem verfügbaren Strom, inklusive Förderung erneuerbarer Energien). Da der Profit aus dem Mining direkt von den Ausgaben des Stroms abhängt, pendeln Miner häufig dorthin, wo der Strom sehr günstig ist.

Dabei werden z.B. Zeiten ausgenutzt in denen ein Überangebot an Strom zur Verfügung steht, wie beispielsweise in China an einigen Wasserkraftwerken. Außerdem betreiben häufig Länder, die 100% Ökostrom anbieten, gleichzeitig auch die größten Bitcoin Mining Farmen wie z.B. Island oder Norwegen.

 

Deflation – eine Chance für die Umwelt

Ein großer Vorteil von Bitcoin neben der Dezentralisierung ist die nachweisebare Rarität. Anders als bei herkömmlichen FIAT- Währungen wie Euro und Dollar, sind Bitcoins auf ein Maximum von ~21 Mio (20,9999999) begrenzt. Durch die Giral Geldschöpfung der Privatbanken wird ständig neues Geld geschaffen, von dem ein nicht unerheblicher Teil direkt in Umlauf gelangt. Eine dauerhafte Inflation von ca 3% ist die Folge. Diese entwertet nicht nur angespartes Kapital, sondern das gesamte Währungsmittel. Das zeigt sich auch in den langfristig dauerhaft steigenden Preisen.

Bitcoin hingegen kann zwar neu „geschürft“ werden, die Miner erhalten aber mit der Zeit aufgrund sogenannter „Halvings“ immer weniger Bitcoins als Belohnung für das Minen (bis das Maximum erreicht ist). Bitcoin ist daher also als deflationär zu sehen. Während ständig neue Nutzer Bitcoin kaufen, die Menge an Bitcoin aber gleich bleibt, steigt der Wert eines einzelnen Bitcoins.

Da von den meisten FIAT Währungen gerade jetzt zu Corona Krise wieder neue Einheiten emittiert wurden, dh. z.B. mehr Euros/Dollars auf den Markt gekommen sind, der Gegenwert die Wirtschaft aber nicht gleichermaßen gestiegen ist, verliert jeder einzelne Euro/Dollar an Kaufkraft.

Unendliches Wirtschaftswachstum ist das Problem

Der Hauptaspekt, der vielleicht ein Mittel für die Folgen des ausufernden Kapitalismus darstellen könnte, bezieht sich auf das Verbraucherverhalten. Im Kapitalismus ist durch die ständige Geldschöpfung und das Zinssystem eine wachsende Wirtschaft unabdingbar. Ständige Neuverschuldungen mit Zinsversprechen fordern unendliches Wirtschaftswachstum auf einem endlichen Planeten. Ein Zustand, welcher der Erde extrem schadet und unser gesamtes Ökosystem gefährdet. Das Konsumverhalten der Menschheit wird zunehmend extremer, Materialismus verbreiteter.

Grundlegend entspringt dieses Phänomen auch dem Fakt, dass es sich lohnt Geld auszugeben. Auch das kann zu übermäßigem Konsum führen. Geld langfristig anzulegen ist zusätzlich aus dem Grund der Niedrigzinsen keine Alternative, da auch hier die Jahreszinsen (ca 1%) die Inflation (ca 3%) nicht annährend ausgleichen. Auch aus diesem Grund investieren immer mehr Menschen in Bitcoin als deflationären Wertespeicher.

Der Vorteil des Bitcoin Wertespeicher

Der Vorteil bei Bitcoin gegenüber Fiat Währungen als Wertespeicher ? Anleger werden belohnt zu sparen, schädliche Investitionen lohnen sich nicht mehr! Das ist der Hauptaspekt, den Bitcoin damit auch in Bezug auf das Ökosystem noch stärker macht. Das Kaufverhalten könnte sich durch vermehrtes Sparen dämpfen und sich mehr auf „Bedürfnisse“ reduzieren. Emotionale Kaufentscheidungen oder sogenannte Lustkäufe dürften bei der Bezahlung mit Bitcoin seltener vorkommen. Die geminderte Nachfrage dürfte so auch dazu führen, dass Unternehmen ihr Vermögen eher in Bitcoin anlegen als zwanghaft zu investieren. Somit können auch Sie von der Wertsteigerung der deflationären Währung profitieren, statt Kapital in Firmen zu investieren, die in großen Mengen umweltschädliche Billigware vertreiben.

Ein bewussteres Management des Vermögens kann unserer Ansicht mit einem deflationären Wertespeicher wie Bitcoin, der das Sparen belohnt, nur positiver ausfallen, als im aktuellen FIAT System, das ständigen Konsum fördert.

Wie nachhaltig ist FIAT Geld ?

Hinzu kommt das Bitcoin zwar Anfangs auch aus moralischer Sicht, durch seine Verwendung im Darknet für eine Reihe illegaler Aktivitäten, Drogenbeschaffung etc. einen schlechten Ruf hatte, sich aber inzwischen auf dem gesamten Markt etabliert hat.

Normale FIAT Währungen als Wertespeicher zu nutzen hingegen kann aus moralischer Sicht sehr kritisch sein, zumindest wenn man die Ersparnisse nicht in Bar anlegt. Private Banken erhalten durch die Sparanlagen der Kunden enorme finanzielle Mittel, die Sie als Basis für den Giralgeldschöpfungprozess verwenden. Dabei profitieren Sie von dem Fakt, das Sie nur ein Bruchteil des geschaffenen Geldes, bei der Zentralbank deponieren müssen (ca 1%) und so von der Seignorage durch die Geldschöpfung profitieren können. Dieser Umstand ist ein großes Problem für die Umwelt, da er die Wirtschaft beschleunigt zum Wachstum zwingt. Zusätzlich wird mit dem geschaffenen Kapital nicht selten in Waffenfirmen, fossile Brennstoffe und Atomkraft investiert. Wie nachhaltig das ist, kann man sich denken. Allein das US Militär ist einer der größten CO2 Emittenten weltweit.